Pilgern beForscht

Interdisziplinäre Betrachtungen eines spätmodernen Phänomens

Wissenschaftliches Symposium – 17. April 2012

Anlässlich der ersten Heilig-Rock-Wallfahrt im neuen Jahrtausend, die 2012 vom 13. April bis zum 13. Mai in Trier stattfindet, veranstaltete die St. Jakobusbruderschaft Trier ein interdisziplinäres Symposium zum Thema Pilgern und Wallfahren. Die Vorträge näherten sich aus unterschiedlicher Pespektive den Themenkomplexen Pilgern und Wallfahren, Religion und Spiritualität sowie Kirche und Tourismus. Vor allem versuchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, sich ein Bild des modernen Pilgers bzw. der Pilgerin zu machen.

Prof. Dr. Michael Ebertz (Katholische Hochschule Freiburg) führte hierzu kritisch in das moderne Phänomen des Pilgerns ein und charakterisierte den Pilger als “spirituellen Sucher”. Dieser mache sich losgelöst von der Kirche bzw. des institutionellen Rahmens der Religion auf die Suche nach der eigenen Transzendenz.

Prof. Dr. Sigrun-Heide Filipp (Universität Trier) beleuchtete das Phänomen aus psychologischer Sichtweise. Sie beschrieb das Pilgern als eine neue Art, mit kritischen Lebensereignissen umzugehen. Viele machten sich aus intrinsicher Motivation auf den Weg. Wieso sie damit jedoch Erfolg haben und das (religiöse) Wandern mit positiven Effekten für die Zukunft verbunden ist, müsse aus wissenschaftlicher Sicht noch erforscht werden.

Dr. Markus Gamper (Universität Trier) stellte hierzu empirische Befunde aus der 2010 unter der Leitung von Prof. Dr. Julia Reuter entstandenen Studie zum Pilgertum auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella vor. Er verband die Erkenntnis, dass es verschiedene Typen von Pilgern gibt, mit Überlegungen der Körpersoziologie, da diese Aspekte bisher zuwenig in die soziologische Religionsforschung einbezogen worden seien.

Prof. Dr. Harald Pechlaner (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) näherte sich der Thematik aus der betriebswirtschaftlichen Tourismusforschung: Längst haben Dienstleister das Pilgertum für sich entdeckt und spannen mit ihren Angeboten einen Bogen zwischen Kultur-, Natur- und Gesundheitsangeboten. In Folge weden “Sinn-Räume” beworben, die Spiritualität und glaubwürdige Nachhaltigkeit versprechen. Aus dieser Sicht erscheint “der Pilger” auch als schwer zu fassende Spielart des “Konsumenten”.

Zum Ausklang stellten Prof. Dr. Martin Lörsch (Theologische Fakultät Trier) und Dr. Markus Gamper ihre laufende Studie zur Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier vor. Sie fragen nach dem religiösen Selbstverständnis der Wallfahrtsbesucher, ihrer Haltung gegenüber der Heilig-Rock-Reliquie und der Kirche, beziehen jedoch auch die unzähligen Helfer und Helferinnen sowie die Ausrichter der Wallfahrt in ihre Untersuchung mit ein.

Die Moderation der lebhaften Diskussion, in der es auch um die heutige Funktion der Kirche bei der zunehmend eigenverantwortlichen, vom Individuum selbst initiierten Sinnsuche ging, übernahm Dr. Markus Nicolay, Sekretär der Jakobsbruderschaft Trier.

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