Vom Feld zurück an den Schreibtisch

Unser Wiedersehen in Santiago und die gemeinsamen weinseligen Abende, an denen wir über die Beobachtungen und Interviews auf dem Pilgerweg sprachen, markierten zugleich das Ende der Feldphase.
Wir verteilten noch einige Fragebögen vor dem Pilgerbüro, im Burger King und sogar am Flughafen und beendeten damit die Datenerhebung.
Mit über 600 ausgefüllten Fragebögen, über 40 persönlichen Interviews und vielen ganz besonderen Pilgererlebnissen ging es zurück nach Trier – die einen mit dem Flugzeug, die anderen, Markus Du bist gemeint, mit dem Bus – ein Pilgerweg der etwas anderen Art, immerhin dauert so eine Rückfahrt von Santiago nach Trier über 36 Stunden.
Was nehmen wir aus unserer Camino-Zeit mit an die Uni? Sicherlich die Erfahrung, das Forschung alles andere als “trocken” ist – es wurde geschwitzt, gelitten, geweint, gelacht und gertunken! Und sicherlich auch die Erfahrung, dass Forschung auch verändern kann, denn als Feldforscher waren meine MitarbeiterInnen nicht nur ForscherInnen, sondern selbst auch PilgerInnen – ganz im Sinne des going native.
Und das Pilgern hat sie verändert: Nicht nur äußerlich – fast alle hatten körperliche Blessuren und Gewichtsverlust zu beklagen; auch innerlich: Zumindest wurden schon Pläne für das “Leben zu Hause” geschmiedet:
Mehr Bewegung im Alltag, mehr Zeit für sich selbst, das Leben leichter nehmen – so lauteten die persönlichen Aufgaben für die Zukunft. Und für unsere weitere Arbeit: Die Interviews transkribieren und sichten, Bilder und Erlebnisse sortieren, die Fragebögen in die Datenmasken eingeben und mit der Auswertung beginnen. Wir freuen uns darauf und werden hoffentlich schon bald von dieser Seite über die Ergebnisse berichten können. Bis dahin freuen wir uns über weitere Anregungen!

Julia Reuter

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Die letzten Meter

Sarria

Die ersten Pilger waren sehr früh wach, denn die Luft im Raum war knapp. Auch wir packten unsere Rucksäcke und gingen ohne Frühstück weiter auf dem Jakobsweg, den letzten 100km entgegen. Die Nacht über hatte es geregnet und der Himmel trug an diesem Morgen dunkle Wolken. Doch es war nicht kalt, sondern unangenehm schwül und feucht. Eine Weile gingen wir mit J. und J. gemeinsam die Landstraße entlang, trennten uns dann, denn sie entschieden sich für die etwas längere Alternativroute. In Sarria angekommen setzten wir uns in die erstbeste Bar am Jakobsweg und entschieden uns für ein Frühstück. Dabei hielten wir die Augen auf, um J. und J. nicht zu verpassen, denn wir hatten uns quasi für ein Interview verabredet. Nach einer halben Stunde tauchten beide auf und leisteten uns am Tisch Gesellschaft. Die Herbergen waren fast komplett ausgebucht, doch wir fanden noch zwei Betten. J. und J. wollten weiter gehen und wir begleiteten sie bis auf eine Anhöhe der Stadt, um sie zu interviewen und zu verabschieden. Abends in der Herberge lernten wir ein italienisches Pärchen kennen, welches uns herzlich zum Abendessen einlud, weil sie zu viel gekocht hatten.
Wir waren uns auf Anhieb sehr sympathisch und unterhielten uns während dem Essen auf Englisch sehr ausführlich über Alltägliches während des Pilgerns, unsere Studie, Bewegründe auf eine Pilgerreise zu gehen, italienische und deutsche Küche, Politik und unser Privatleben. Es war ein sehr schöner Abend mit D. und A. und es sollte nicht der letzte bleiben.

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Portomarín

Von Sarria aus verläuft der Jakobsweg vorbei an Friedhof, Kloster und Bergruinen. Die heutige Wegetappe verlief auf Waldwegen, Feldern und durch unzählige kleine Bauerndörfer. In einem der Dörfer befand sich der berühmte Kilometerstein 100, der für viele Pilger die magische Grenze für die Pilgerurkunde bedeutet. Man spürte wirklich, wie der Jakobsweg immer voller wurde und es schon zu einer Art Volkswanderung ausartet. Natürlich sind auf dem Jakobsweg Leute dabei, die nur die letzten 100 km laufen. Diese sind auch in der Masse der Pilger durch bestimmte Merkmale sehr schnell ausfindig zu machen (sehr kleiner bis fast gar kein Rucksack, Alltagskleidung, …). Es liegt zum größten Teil auch am heiligen Jahr. Die große Rushhour setzte ein. Unglaublich wie viele neue Gesichter man erblickte…
Das frühe Aufstehen fällt uns nicht mehr ganz so schwer wie am Anfang. An diesem Morgen war es ziemlich kalt und ich fror ein wenig. Ich freute mich schon auf die ersten Sonnenstrahlen, die mich wieder aufwärmen sollten. Es lohnt sich wirklich so früh aufzustehen, denn dann bekommt man einen tollen Sonnenaufgang mit. Der Körper hat sich an die täglichen Strapazen gewöhnt und die Schmerzen sind kaum noch zu spüren, es tritt langsam eine Routine im körperlichen aber auch im alltäglichen Ablauf ein. Die körperliche Anstrengung tritt somit in den Hintergrund. Unsere nächste Übernachtungsstation hieß Portomarín, das neue Portomarín um genau zu sein. In den 60er Jahren versank das alte Portomarin als der Fluss Miño hier zu einem See gestaut wurde. Die romanische Wehrkirche San Nicolás wurde Stein für Stein unten abgetragen und oben wieder aufgebaut. Auf der Brücke von Portomarín überquerten wir den Stausee und standen vor vielen Treppenstufen, die in den Ort hinein führen. Wir überlegten, ob wir nicht noch eine Station weiter laufen sollten, denn wir waren relativ früh dran und hatten noch Energie weiterzulaufen. Doch angesichts des überfüllten Jakobswegs und der damit einhergehenden Hetzjagd auf ein Bett, beschlossen wir doch in Portomarín zu übernachten. Da die öffentliche Herberge erst um 13 Uhr ihre Pforten öffnet, mussten wir- wie so viele andere- in der Pilgerschlange warten. Die Herberge war zwar modern eingerichtet, jedoch war sie sehr schnell überfüllt. Ganz schnell waren Dusch- und Waschräume belegt. Leider kannten wir hier keine Pilger und in Kontakt zu kommen war leider sehr schwierig.

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Auf nach Palas de Rei

Wir waren wirklich die letzten, die die Herberge an diesem Morgen verlassen haben. Wir versuchten bewusst uns nicht von der Panik der anderen Pilger anstecken zu lassen. Da Dave und ich immer ein zügiges Tempo drauf haben, überholten wir schon am Anfang viele Pilger. Das war natürlich unser Bonus gegenüber älteren Personen. Unglaublich wie viele Familien mit ihren Kindern auf dem Jakobsweg unterwegs sind, besonders auf den letzten 100 km. Unterwegs überholten wir das italienische Pärchen. Sie haben sich riesig über das Wiedersehen gefreut und gaben bekannt, dass sie sich 2 Betten in einer privaten Herberge reserviert haben und somit ganz in Ruhe und ohne Hektik wandern konnten. Wir verabredeten uns mit ihnen zum Abendessen. Daraufhin sind wir weiter gezogen, in der Hoffnung, dass jemand noch ein Bett übrig hat. In Palas de Rei angekommen, fanden wir sowohl eine private als auch die öffentliche Herberge überfüllt vor. Bei der letzten privaten Herberge hatten wir dann Glück. Diese war zwar restlos ausgebucht, doch wer seine Reservierung nicht bis 14 Uhr bestätigt, der geht dann leer aus. Das Warten hatte sich also gelohnt und wir bekamen Betten zugewiesen. Noch nie hatten wir so um einen Schlafplatz bangen müssen wie heute. Ein wenig später traf dann das italienische Pärchen ein und wir reservierten gemeinsam für den nächsten Tag unsere Betten in Arzua. Den anstrengenden Tag ließen wir alle bei einem Abendessen ausklingen.
Beobachtung:
Je näher man an Santiago kommt, desto höher sind auch die Preise in den Herbergen und Bars. Das Pilgeraufkommen Richtung Santiago nimmt nun immer mehr zu. Auch grüßen die Pilger hier nicht mehr so freundlich wie am Anfang der Strecke, was sicher an den vielen Reisegruppen und Tagespilgern liegt. Die Herbergssuche gestaltet sich somit etwas schwierig.

Einzug nach Santiago de Compostela

Die letzte Etappe. Nach einem sehr schönen Abend mit einem italienischen Pärchen in der öffentlichen Herberge von Arzua und einem vorzüglichen, gemeinsam zubereitetem Pilgermahl, ging es am nächsten Morgen zum vorerst letzten Mal auf den Jakobsweg. Das Ziel heute: Santiago de Compostela. Man kann es kaum glauben, aber heute endet die Reise für uns, wie für viele andere Pilger auch. Es ist heute sehr bewölkt, und der Nebel hängt tief. Viele Pilger sind schon unterwegs und immer wieder hört man, dass man seine Unterkunft am besten schon vor einiger Zeit hätte reservieren sollen. Unsere Pension haben wir deshalb vorsichtshalber auch schon von Deutschland aus gebucht. Wir sind aber 2 Tage zu früh dran und müssen uns für diese Nacht wohl etwas einfallen lassen, bzw. uns auf die Suche nach einem Zimmer für die Nacht begeben. Aber erst einmal heißt es nach Santiago laufen. Nach einer Weile wird aus dem Nebel dann doch Niederschlag. Der erste Regen auf unserem Weg! Da er nicht sehr stark ist, sondern eher herab nieselt, verzichten wir auf unsere Regenbekleidung, die wir seit geraumer Zeit mit uns herumschleppen. Die Strecke war trotz des Wetters in Ordnung. Es ging über Schotterpisten auf und ab, vorbei am Flughafen über den Monte de Gozo hinab nach Santiago de Compostela. Der vorab viel gelobte Ausblick blieb aus, denn der Nebel versperrte uns die Sicht. Die letzten Kilometer nach Santiago hätten wir uns auch ein wenig “romantischer” vorgestellt, aber Santiago ist nun mal eine Stadt und so ging es vorbei an einem Gewerbegebiet den gelben Pfeilen folgend in Richtung Kathedrale, neben welcher das Pilgerbüro liegt. In Santiago de Compostela soll sich angeblichen das Grab des Apostels Jakobus befinden. Die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung erfahren. Angekommen im Stadtzentrum sind wir erst mal wie gelähmt und fragen uns: “Was ist denn hier los?” Massen von Touristen drängen sich durch die engen, wunderschönen Gassen Santiagos und wir spüren der Weg ist vorbei. Das Heilige Jahr lockt überdurchschnittlich viele Besucher nach Santiago und so stellen wir uns erst mal in die erstbeste Schlange, um zu schauen wo sie hinführt. Sie ist mehrere hundert Meter lang und die Menschen stehen an, um die Statue des Jakobus zu umarmen und sein Grab zu besuchen. Man steht hier ca. eine Stunde an, manchmal aber auch länger. Wir suchen das Pilgerbüro und finden es in der Nähe des Pferdebrunnens.  Aus Erzählungen wussten wir, dass es hier schon mal zu sehr langen Wartezeiten kommen kann. Wir hatten Glück und innerhalb von 2 Minuten hatten wir unsere Compostela. Es ging ziemlich schnell, wir hatten kaum Zeit gehabt uns mit dem Gedanken anzufreunden gleich die Urkunde in der Hand zu halten. Die Urkunde Compostela wird in Frankreich uns Spanien zunehmend in Bewerbungsunterlagen verwendet. Damit soll gezeigt werden, dass man über eine Fachkompetenz hinaus auch in sozialem und spirituellem Verhalten eingeübt ist.

Auf den letzten 100 km fanden wir viele Plakate in verschiedenen Sprachen vor mit der Aufschrift: Die besonderen Gnaden des Heiligen Jahres: Vollkommener Ablass, der unter folgenden Bedingungen erlangt werden kann: a) Durch Besuch der Kathedrale mit dem Beten eines Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses für die Absichten des heiligen Vaters. b) Durch Empfang der Sakramente (im Zeitraum von 15 Tagen vorher oder nachher) der Beichte und der Hl. Kommunion.

Nachdem wir die Touristeninformation aufgesucht hatten und eine Stadtkarte mit eingezeichneten Pensionen in unseren Händen hielten, klingelten wir bei einer Pension und bekamen ein Zimmer. Es ist also doch nicht so schwer in Santiago ein Zimmer zu bekommen. Die Preise unterscheiden sich jedoch sehr vom Rest des Weges und wir merken schnell, dass Santiago teuer ist. Anschließend schlendern wir ein wenig durch die Altstadt und treffen J. Die Wiedersehensfreude war groß und wir entschieden uns dazu gemeinsam auf dem Kathedralenvorplatz zu picknicken. Er erzählte uns, dass er hier in Santiago schon viele sehr interessante Menschen getroffen hat und noch ein paar Tage bleiben möchtet, bevor er nach Finisterre weitergeht. Dann stoßen drei nette Jungs, die J. hier schon kennengelernt hat und eine italienische Pilgerin zu uns und wir teilen was wir haben, um anschließend noch ein wenig durch Santiago zu schlendern, denn jeden Abend verwandeln Musiker und andere Künstler die Straßen Santiagos in Bühnen. Nach einiger Zeit verabschieden wir uns von J. und den Anderen, denn am nächsten Morgen soll es mit dem Bus nach Finesterre gehen, um Markus, S. und M. zu treffen.

Finisterre

Nach einer dreistündigen, sehr lustigen Busfahrt wanderten wir zum Kap Finisterre. Im Bus trafen wir noch ein paar Pilger wieder, mit denen wir irgendwo schon einmal gesprochen hatten. Am Abend wollten wir uns mit Markus und den Jungs treffen, die
erst im Laufe des Tages Finisterre erreichten. Am Kap angekommen erblickte man viele Autos, denn nicht nur Pilger zieht es hier hin, ganze Busladungen an Touristen werden ab- und wieder eingeladen. Dem Ausblick tut dies aber nichts ab und wir suchten uns ein kleines, ruhiges Plätzchen, um zu picknicken. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es auf der anderen Seite des Kaps wieder hinab an einen sehr schönen Strand, der nicht von Touristen überlaufen ist. Zwischenzeitlich sind Markus und die Jungs angekommen und wir verabredeten uns per SMS für später. Auf der Suche nach einer Pension liefen uns zwei bekannte Gesichter über den Weg. Die zwei jungen deutschen Frauen aus Villar de Mazarife bzw. Fonfria. Sie zeigten uns ihre Pension und wir beschlossen uns hier auch ein Zimmer zu nehmen. Danach verabredeten wir uns für später, denn wir wollten ihnen Markus, S. und M. vorstellen. Am Hafen trafen wir nun endlich, nach über zwei Wochen, auf Markus. Wir umarmten uns und jeder erzählte vom Erlebten. Einige Zeit später saßen wir alle gemeinsam in einer Pizzeria und verabredeten uns für den Abend, denn wir wollten an den Strand, um ein Feuer zu machen und die Pilgerschaft ausklingen zu lassen.

Man nächsten Morgen ging es auf den Markt, anschließend in ein kleines Restaurant und dann wieder mit dem Bus zurück nach Santiago. Dort angekommen geht’s am späten Nachmittag zur bereits gebuchten Pension. In der Stadt essen wir noch eine Kleinigkeit, um anschließend müde und erschöpft ins Bett zu fallen.

Wieder zurück in Santiago

Am nächsten Tag trafen wir Julia und ihren Vater, die heute in Santiago gelandet sind und uns erst einmal auf ein richtig deftiges Abendessen mit allem drum und dran einluden. Wir tauschten uns aus und erzählten von unserer Pilgerreise. Zur Abwechslung tut es mal ganz gut selbst zu erzählen, denn auf dem Weg waren wir es ja immer, die wissen wollten, wie es den Pilgern so ergeht. Im Anschluss liefen wir noch eine Weile durch Santiago und wir zeigten den beiden Neuankömmlingen den legendären Pilgerschatten.

Am darauf folgenden Tag wanderten wir alle gemeinsam bei strahlendem Sonnenschein eine Etappe in Richtung Finesterre, um danach wieder mit dem Bus nach Santiago de Compostela zurückzufahren. Wir ließen den Tag dann mit Brot, Chillis, Käse, Wein und Omelett ausklingen, um uns für den nächsten Tag zu stärken, denn wir wollten noch einige Fragebögen verteilen. Am nächsten Morgen standen wir pünktlich um halb neun vor dem Pilgerbüro. Dort sah man schon eine längere Pilgerschlange, die darauf wartete ihre Urkunde zu bekommen. Leider fing es an zu regnen, was sich stimmungsmäßig auch auf die im Regen wartenden Pilger zu übertragen schien. Mehr oder weniger erfolgreich überlegten wir, wie wir weiter vorgehen könnten und entschieden uns dazu es in einer bekannten Fastfood-Kette zu versuchen. Und siehe da, Julia fand sehr viele Pilger unterschiedlicher Herkunft, die dazu bereit waren Fragebögen auszufüllen.
Am folgenden Tag wurde man wieder durch Sonnenschein geweckt und wir statteten dem deutschsprachigen Pilgertreffen einen Besuch ab. Heute kamen einige deutschsprachige Pilger zusammen und man ging gemeinsam in einen dafür zur Verfügung stehenden Raum, um sich auszutauschen, vom Erlebten zu berichten und auch um Beschwerden weiter zu geben. Zusätzlich wurde am Abend eine kostenlose Kathedralenführung angeboten. Auch S. und M. aus Deutschland und J.L. aus Belgien nehmen an der Führung teil . Danach ließen wir alle den Abend gemeinsam am Kathedralenvorplatz ausklingen, bevor wir alle nach Hause flogen und wieder in den Alltag eintauchten. Für Markus ging es wieder- war nicht mit dem Zug, sondern mit dem Bus- in Richtung Heimat. Ihm wurde geraten besser nicht mit der noch nicht ganz verheilten Verletzung des Ohres zu fliegen. Hier endete unsere aufregende Pilgerschaft. Am 26. August ging dann unser Flug  mit gemischten Gefühlen und sehr vielen Erfahrungen zurück nach Deutschland.

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Ans Ende der Welt: mit dem Bus zurück

Ich habe Santiago de Compostela erreicht. Jetzt bin ich knapp 550 km gepilgert. Aber ich war noch nicht am Ende, ich wollte noch ca. 96 km weiter, ans Ende der Welt: Finisterre. Dieses Kap Galiciens wurde in vorchristlicher Zeit als westliches Ende der Welt betrachtet. Welche Rolle dieser Punkt in der Geschichte für Pilger eingenommen hat, ist umstritten. Man geht davon aus, dass dieser Ort schon bei den Kelten und den Römern ein bekanntes Pilgerziel war. In den letzten Jahren entwickelte sich dieser Ort zu einem beliebten Ziel für Jakobspilger.
Hier suchen sie meist einen ruhigen Abschluss ihrer anstrengenden Reise. Auch hier sollte meine Reise enden. Dort wollte ich mich mit Dave und Vero wieder treffen.
Mein Problem war die Entzündung meines Schienbeins. Aber wie es schon
heißt: No pain, no glory. Ferner wollte ich nicht so lange in der von Touristen überlaufenen Stadt Santiago bleiben.
Am nächsten Tag ging es zum ersten Mal um 9:00 Uhr los. Ein Luxus mal ausschlafen zu können. Ferner waren es nur ca. 23 km zum nächsten Zielort. Zusammen mit den zwei jungen Deutschen M. und S. machte ich mich auf den Weg nach Negreira. Lustig war dabei, dass uns ein Hund ein ganzes Stück lang begleitete. Er wollte einfach nicht von unserer Seite weichen. Erst bei Ponte Maceira ging er dann seinen eigenen Weg.
In Ponte Maceira war eine tolle Brücke und man konnte in dem Fluss schwimmen.
Auch wenn neue Pilger, die nur von Compostela nach Finisterre pilgerten, dazu kamen, war auffallend, dass die Pilger im Allgemeinen wieder weniger wurden. Interessant ist, dass es für die Strecke von Compostela nach Finisterre ein eigener Pilgerausweis existiert. Auch bekommt man beim Erreichen des Pilgerziels Finisterre eine eigene Urkunde. Aber auch wenn es wieder weniger Pilger sind, sind die Plätze in den Herbergen knapp, da es nur wenige auf dieser Strecke gibt. In Negreira schliefen wir in einer privaten Herberge, die von 2 Personen aus der Schweiz (Brasilianerin & Spanierin) geführt wurde. Sehr nette Damen :-) Sie eröffneten diese, da ihnen beim Pilgern aufgefallen war, dass es in diesem Ort kaum Betten für Pilger gab. Diesen Zustand wollten sie unbedingt ändern. Eine sehr schöne und saubere Herberge.
Sie gaben mir auch Eis für mein Schienbein.
Am nächsten morgen ging es nach Oliveira (33 km). Von einem Deutschen, den ich interviewte, bekam ich Ibufen für das Schienbein. Es half….
zum Teil. Der Weg führte uns durch sehr kleine Bauerndörfer und an Maisfelder entlang. Leider war ich durch meine Schmerzen sehr langsam und kam später in der Herberge an als S. und M.. Auffallend war, dass das Wetter zum ersten Mal schlecht war. Als ich endlich an der Herberge in Olivera ankam, waren schon alle Betten besetzt oder reserviert (was eigentlich nicht erlaubt ist). Also schlief ich auf dem Boden auf einer Matte. Das sind die Opfer für die Wissenschaft ;-) Meine letzte Etappe führte mich nach Finisterre. Für die letzten Kilometer musste ich noch eine Schmerztablette nehmen. Aber wie man sieht kam ich an. Hierbei ging es zuerst ein wenig bergauf und dann an der Küste entlang (sehr schön!!!). Das letzte Stück sogar an einem schönen Strand. Meine zwei Begleiter gingen dann ins Hotel, während ich meine letzte Nacht auf dem Camino in der öffentlichen Herberge verbringen wollte. Am Abend gingen meinen Begleiter ? dazu gehörten jetzt auch wieder Dave und Vero ? und ich an den Strand, wo ich ein Bier Namens ?Judas? überreicht bekam. Dort verbrannte ich dann auch meine Unterhose (die wirklich gut brannte). Am nächsten Tag machte ich mich auf zum Kap von Finisterre. Zum Kilometerpunkt Null. Als erstes lief die Strecke und die Dinge, die ich erlebt habe, wie ein Kurzfilm im meinen Kopf ab. Danach hatte ich ein ambivalentes Gefühl, zum einen war ich nun fertig mit Laufen, zum anderen hatte man sich an das Laufen gewöhnt und wollte weiter. Aber nun geht es langsam zurück in den Alltag!
Als Dave, Vero und ich im Bus zurück nach Compostela saßen, war es sehr komisch. Der Bus benötigte gerade mal 20 Minuten für eine Strecke, für die ich 2 Stunden brauchte. Was für ein Luxus!

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Samos

Samos

Eindrucksvoll erstrahlt das Kloster nach einem mal mehr, mal weniger anstrengendem Auf- und Abstieg.

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Zuvor ging es lange Zeit nur an der Landstrasse entlang, was besonders anstrengend für die müden Füße war. Deshalb gibt es hier und da auch kleine Trampelpfade neben der Landstrasse, die höchstwahrscheinlich erst durch die Massen an Pilgerfüßen entstanden sind. Unten angekommen realisiert man aber erst einmal das Ausmaß des Klosters. Es ist riesig, teils umgeben von einer Art Burggraben und auf der Wiese davor befinden sich einige grasende Tiere. Wir suchen die öffentliche Herberge und finden diese hinter dem Kloster. Sie hat noch nicht geöffnet, aber man wird schon durch eine lange Schlange wartender Pilger begrüßt. Wir stellen unsere Rucksäcke ans Ende der Reihe und suchen erst einmal Schatten, denn die Sonne knallt wieder von oben herab. Auch die nun in zwei Gruppen geteilte Studi-Pilger-Truppe ist da und gönnt sich auf der Wiese oberhalb des Klosters ein Mittagessen. Dann ist es gegen 13:00 Uhr plötzlich soweit und das große Tor der Herberge wird für die wartenden Pilger geöffnet. Schon jetzt scheint sich abzuzeichnen, dass die rund 70 Betten wohl nicht ausreichen werden, es läuft trotzdem alles geordnet ab und nur älteren Personen wird es gestattet sich “vorzudrängeln”. Es erstaunt uns immer wieder aufs Neue, dass es vor den Herbergen so geordnet zugeht, ohne dass irgendjemand vorher feste Regeln aufstellen muss. Ausnahmen bestätigen die Regel und somit ist es für keinen der jüngeren Pilger am heutigen Tag ein Problem, dass man ältere, erkennbar erschöpftere Pilger vor lässt. Die Herberge besteht aus ca. 35 Hochbetten, die eng aneinander gereiht, in einem großen Schlafsaal eines alten, leicht muffigen Klostergewölbes verteilt worden sind. Es ist zwar sauber und auch die Sanitäranlagen sind durchweg in Ordnung, aber die Matratzen sind total ausgelegen und man liegt mit seinem Rücken wirklich in einer Art Kuhle. Auch die Belüftung lässt zu Wünschen übrig, denn neben dem Haupttor gibt es nur noch zwei kleine Paterrefenster und ein größeres Fenster im ganzen Raum und nachdem ca. 70 Pilger im angrenzenden Waschraum geduscht haben, fühlen sich Schlafsack, T-Shirt usw. von innen und aussen feucht an. Man kann festhalten, dass wir in Samos die bislang unschönste Nacht verbracht haben, denn zum allnächtlichen Schnarchen mancher Pilger, der schlechten Luft im Raum und der Hitze kam eben noch diese Feuchtigkeit hinzu, die mir in der Nacht einen Schüttelfrost bescherte. Am darauffolgenden Morgen sagten uns zwei deutsche Pilger, mit denen wir am Abend zuvor noch ein Pilgermahl vertilgt haben, dass auch sie seit langem nicht mehr so schlecht geschlafen haben.

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Fonfria

Von La Faba aus ging es am frühen Morgen los nach Fonfria. Die ersten 5 km waren sehr anstrengend, denn es ging auf über 1300 Höhenmeter steil hinauf zum Ort O Cebreiro. Unscheinbar auf der rechten Seite des Weges stehend, entdeckten wir nach einiger Zeit des bergauf wanderns den großen Grenzstein, der uns anzeigt, dass wir Galizien erreicht haben. Wie das Cruz de Ferro, ist auch der Grenzstein für viele Pilger ein besonderer Punkt auf ihrer Reise und man nutzt die Gelegenheit um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Aus dem Nichts tauchten drei Jungs der spanischen Studi-Pilger auf und wir nutzen ebenfalls die Gelegenheit, um ein Foto von uns schießen zu lassen.
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Als wir im galizischen Ort O Cebreiro ankamen, fanden wir runde Häuser mit Strohdächern vor, die sogenannten Pallozas , die in den Bergen bis heute erhalten blieben. In der erstbesten, gut besuchten bis überfüllten Bar, machten wir eine kleine Frühstückspause. Uns fiel sofort eine deutschsprachige Pilgergruppe auf, die ihr Gepäck mit einem Auto transportieren ließ. Man unterhielt sich lautstark vor der Bar und plante die heutige Tagesetappe. Nach einiger Zeit setzte sich die Gruppe in Bewegung, vorher machten sie gemeinsam mit dem Fahrer des Begleitfahrzeuges einen Treffpunkt aus.

Immer wieder trafen wir auf dem Weg bekannte Gesichter aus der letzten Herberge, dies hängt davon ab, ob man Pausen einlegt oder weiter geht. Für uns ging es anschließend weiter bergauf und bergab durch einen Wald und über diverse Schotterpisten auf den höchsten Punkt des galizischen Jakobsweges „Alto do Poio“ (1337 hm) nach Fonfria. Dort erwartete uns unsere belgische Bekanntschaft in der zur Herberge gehörenden Bar, der uns hinein winkte und uns gleich auf zwei große Biere einlud. Er erzählte uns viele spannende Abenteuer, die er schon erlebt hat und gab uns einen weiteren Ausblick auf das, was er noch erleben will/wird. Unteranderem erzählte er uns, dass er mit 19 Jahren gemeinsam mit einem Freund als Leichtmatrose auf einem Schiff anheuerte, um nach China zu gelangen. Dort angekommen machten sie sich auf die beschwerliche Reise in den Himalaya, wo sie fast ein ganzes Jahr verbrachten. Er sagte, dass sie alleine für den Aufstieg ein bis zwei Monate benötigten, da sich ihre Körper nur sehr langsam an die Höhe gewöhnten. Nächstes Jahr möchte er wieder nach China. Er will gemeinsam mit drei Freunden ein Jahr lang auf einem Schiff den „Gelben Fluss“ bereisen, hier und da mal anhalten und mit dem Rucksack ins Landesinnere vorstoßen. Da kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile, bis er sich weiter auf den Weg in die nächste Ortschaft machte. In diesem Moment traf auch der übrige Teil der spanischen „Studi-Pilger“ ein. Müde vom Pilgern ließen wir uns vom kubanischen Hospitalero unsere Betten zeigen, um anschließend Siesta zu halten. Nach einiger Zeit wurde ich von Stimmen geweckt und es stellte sich raus, dass es die 3 jungen Frauen aus Villar de Mazarife sind, die in Leon gestartet sind. Die Wiedersehensfreude war groß, denn keiner hat damit gerechnet, dass wir uns wiedersehen. Wir erzählten uns gegenseitig, wo wir die letzten Tage verbracht haben und welche Schmerzen neu dazu gekommen sind. Als ich von meinen Knie- und Schulterschmerzen erzählte, gab N. mir einige Tipps zur besseren Behandlung, denn sie ist Ärztin und verfügt unter anderem über eine Osteopathieausbildung. Nach dem Duschen und Wäschewaschen setzten wir uns wieder in die Bar, um einiges im Tagebuch festzuhalten. Wir erinnerten uns an Leòn und an die zwei Deutschen, die wir morgens nur sehr kurz kennengelernt haben. Wir fragten uns, ob wir sie wohl wiedersehen werden, als ich sie in dem Moment durch das Fenster erblickte. Was für ein Zufall! Oder war es doch die Magie des Jakobsweges, der alle wieder zusammenführt ;-) ? Um nicht alles dem Zufall zu überlassen, verabredeten wir uns für das vom kubanischen Hospitalero und Koch zubereitete Pilgermahl. Es wurde ein sehr schöner Abend, mit dem bis dato besten Essen auf dem Jakobsweg. Die Gruppe bestand aus Franzosen, Spaniern, Italienern, Österreichern und Deutschen. Es wurde viel gelacht und sich überwiegend auf Englisch ausgetauscht. Bevor wir uns Schlafen legten, erzählten wir den Anderen noch, dass wir morgen die etwas längere Alternativroute nach Samos gehen wollen.

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Villafranca del Bierzo

Nach einer miesen Nacht im Keller der Herberge in Ponferrada, ging es sehr früh los in Richtung Villafranca del Bierzo. Der Tag fing eigentlich ganz gut an, es war nicht zu warm, auch nicht zu kalt und trotz wenig Schlafs taten die Knochen nicht mehr weh als all die Tage zuvor. Leider blieb es nicht dabei. Es wurde immer heißer und heißer und auch die Beine wollten nicht mehr. Die letzen 5 km waren einfach nur anstrengend und wir sehnten uns nach einem Bett und Nahrung. Unterwegs fiel uns dann noch ein Krankenwagen auf und andere Pilger erzählten uns später, dass ein Pilger von dem Seitespiegel eines ihm entgegenkommenden Autos erfasst und verletzt wurde. Da wird einem schon ein wenig mulmig wenn man merkt, dass man noch so weit links die Landstraße entlang gehen kann, aber wenn der LKW- bzw. der Autofahrer nicht aufpasst, dann kann der Weg ganz schnell vorüber sein. Gesund in Villafranca del Bierzo angekommen entschieden wir uns für die Herberge Ave Fenix, unter der Leitung von Herbergsvater Jesus Jato, der angeblich über heilende Hände verfügt. Naja, Jesus war nicht da, zwei Betten reichen auch. Ein schweizer Hospitalero namens Dani teilte uns zwei Betten im Dachgeschoss zu. Dort war es zwar sehr eng, aber gemütlich. Die spanischen Studi-Pilger, die in Astorga Fragebögen ausgefüllt haben, waren auch schon da und nach dem üblichen Ablauf (duschen, ausruhen) saßen wir alle zusammen im Innenhof der Herberge. Als sich ein Großteil der Gruppe auf den Weg in den Supermercado machte und nur Santi blieb, erzählte er uns, dass es innerhalb der Gruppe Diskussionen darüber gibt, ob sie schnell genug gehen usw. Ihn nervt es total, wie sich ein paar seiner Freunde aufspielen und er sagt, dass es für sie schon eine Art Wettberwerb ist und es nur noch darum geht, wer mehr schafft und wer früher ankommt. Er findet, dass es noch Spaß machen muss und wenn er sich die schmerzverzerrten Gesichter seiner Freunde anschaut, erinnern ihn diese nur noch an Folteropfer. Und in der Tat, ein Mädchen aus der Gruppe fällt besonders dadurch auf, dass sie kaum noch gehen kann und leicht apathisch drein schaut. In La Faba, der nächsten Station nach Villafranca, wird uns Santi mitteilen, dass sich die Gruppe getrennt hat. Wir lernten auch noch einen Belgier kennen, der in Aachen gestartet ist. Er ließ sich von uns bereitwillig interviewen. Das Besondere an diesen selten anzutreffenden “Langzeitpilgern” ist, dass sie sehr viel erzählen können und dass sie in der Lage sind, die Veränderungen, die in ihnen geistig und körperlich seit dem Beginn der Pilgeschaft vorgehen, exakt zu beschreiben. Am Abend saßen wir zusammen mit ca. 30 anderen Pilgern beim Pilgemahl. Der italienische Koch versprach eine grandiose Bolognese. Leider hatten sich die Hospitaleros beim Einkauf verschätzt, sodass es viel zu wenig Pasta für die hungrigen Pilgermägen gab. Viele beschwerten sich, denn das Pilgermahl war mit 7€ recht teuer und dafür viel zu wenig. Prompt wurde Brot und Salat nachgereicht und dann kam Dani mit einer großen Pfanne Spiegeleiern in den Raum. Es wurden dann zwar doch noch alle satt, aber zufrieden waren die wenigsten und im Innehof begannen die ersten Pilgr die “wahren” Kosten für das Pilgermahl zu errechnen. Den Wein musste man auch extra bezahlen, woran sich einig zusätzlich störten. Alles in allem war die Herberge für viele eine kleine Enttäuschung. Am nächsten Morgen ging es nach einer sehr heißen Nacht auf dem Dachboden der Herberge weiter nach La Faba (siehe Blogeintrag vom 12.08.10)

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Über Melide nach Compostela

Jetzt ist es so weit: 100 Km und jede Etappe 2 Stempel. Jetzt sieht man ganze Reisegruppen und auch Leute ohne Rucksäcke. Auffallend war dabei eine italiensiche Reisegruppe mit mehr als 40 Personen, die es noch schwerer machte einen Herbergenplatz zu bekommen. Die Wege waren quasi voll von Pilgern. Es machte keinen Spaß mehr. Ein paar Deutsche, die ich kannte, wollten die letzten 100 Km in 2 Etappen durchziehen. Es machte ihnen keinen Spaß in dieser Masse zu pilgern. Sie waren total genervt. Auch der Zusammhalt, dass man zusammen kocht oder so, war verflogen. Für uns ging es nur noch darum, so schnell wie möglich anzukommen. Leider hatte ich am letzten Tag starke Schmerzen im Knie und Fieber!!! Super am letzten Tag! Ich nahm Schmerztabletten und versuchte sehr früh ins Bett zu gehen! Am nächsten Tag war mir schwindelig. Es ging aber irgendwie und ich kam genervt in Compostela an. Auffallend war auch, dass keiner der Pilger nach meiner Gesundheit erkundigte oder Hilfe anbot. Die letzen 100 Km sind anders. Das wäre vorher anders gewesen…
In Compostela fanden wir eine sehr günstige Unterkunft und ich musste mich erstmal ins Bett legen. Dann holten wir unsere Compostela (Urkunde) ab und legten uns am Abend vor die Kathedrale. Dabei trafen wir ganz viele Pilger die wir kannten. Darunter auch meine Spanierin und meine 2 Portugiesen. Wir wollen uns nächstens Jahr um diese Zeit in Portugal treffen. An der Messe nahm ich noch nicht teil, dies tue ich bei meiner Rückkehr vom “Ende der Welt”.

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Über Ventas de Naron nach Melide

Wir 3 haben uns entschlossen einen langen Weg nach Ventas de Naron zu gehen. Es ging kurz vor 6 Uhr los und prompt: Flascher Weg. Gerade heute ging wir 5 Km in die falsche Richtung. Das macht heute ca. 42 Km. Super!!! Wir sollten noch vor 14 Uhr dort ankommen. Also rannten wir fast und machten kaum Pausen. Das war eine Freude. Die Strecke war auch sehr hügelig!! Wenn ich daran denke. Die Auswirkungen?! Ein geschwollenes Knie. Die Auswirkungen fühle ich heute noch! Das geht einfach nicht weg
Ich erinnere mich nur noch an das Dorf Portomarin. Das ist auch der Ort, wo die anderen übernachteten. Das Dorf lag direkt an einem Fluss und konnte nur über eine Brücke erreicht werden. Sonst….

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Ein schöner Umweg

Nun ging es nach Sarria. Über das Dorf Samos, mit einem wirklich schönen Kloster (super schöner Stempel ;-) ) ging es über Berge und Täler in die schöne Stadt Sarria. Diesmal ging ich wieder mit der jungen Deutschen. Sie will auch immer die Umwege gehen, die von den meisten Pilgern gemieden werden. Diesmal hatten wir auch Zeit um das Kloster zu besuchen und einen “cafe con leche” zu trinken. Dann ging es durch Dörfer mit einem Haus und einer Kirche. Der Weg war echt sehr schön. In der Herberge angekommen entschlossen wir uns, die Gruppe aufzulösen. Jetzt ging ich nur noch mit den zwei jungen Deutschen, die Dave schon interviewt hatte. Der Abschied von Mama und den anderen fiel schwer :-(
Aber es wäre ja nicht der camino, wenn….

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Turnhalle als Hotel

Am nächsten Morgen wieder um 6 Uhr los. Um 5.30 Uhr aufstehen fällt mir immer noch leicht. Heute haben wir wieder Betten in einer Herberge reserviert. Dafür mussten aber mindestens 2 Personen um 14 Uhr dort ankommen. Die Auswahl fiel auf 2 junge Deutsche. Sie sind die schnellsten und rannten am nächsten morgen gleich los!
Heute ging es über 1300m nach Galicien, Triacastela. Galicien ist sehr grün, da es dort häufig regnet. Durch dir traditionelle Erbteilung und der hügligen Landschaft wird die effiziente Nutzung des Bodens aber erschwert. Unsere portugisieschen Begleiter sagten uns, dass das galicische Sprache dem Portugieschen sehr nahe steht. Nach dem Anstieg ging es nur noch abwärts. Dabei lief ich die meiste Zeit alleine. In Tricastela angekommen wurde mir sofort klar, dass die Herbergen nicht für alle aussreichen würden. Aufgrund der großen Anzahl wurde eine Turnhalle geöffnet. Aber wir hatten ja ein Bett. Aber viele die ich kannte fanden keine Herberge und waren deshalb wütend und traurig.
Am Abend kochten wir alle zusammen. Die Deutschen machten den Salat und die Portugiesen kochten ein traditionelle portugisische Suppe. Da wir zu viel kochten, machte ich mich auf den Weg in die Tunrhalle um ein paar Pilger, die ich kannte, einzuladen (2 deutsche Mädels, 1 Polin). Die waren über die Einladung super glücklich. Eine der Deutschen war kurz davor zu weinen! Ja, ja kleine Dinge machen glücklich…..
Die nächste Etappe war die letzte die wir zusammen unternahmen. Es wurde unmöglich für so viele Personen eine Herberge zu finden. Ein Grund dafür ist, dass die letzten 100 Km überlaufen sind. Jetzt stoßen die “Tourigrinos” (Zusammensetzung: Touristen und Peregrinos (Pilger) auf den Weg. Viele von Ihnen ohne Rucksack und mit Begleitfahrzeug ;-) . Dies erzeugte bei vielen ein In-Gruppen-Gefühl. Die richtigen Pilger sind diese, die schon hunderte von Km hinter sich hatten. Die anderen werden nicht als Pilger akzeptiert. Noch war es aber nicht so weit.
Auch die nächste Herberge musste vor 2 Uhr erreicht werden…Der neue Auftrag für die 2 jungen Deutschen :) Leider bogen diese falsch ab ;)

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