Villafranca del Bierzo

Nach einer miesen Nacht im Keller der Herberge in Ponferrada, ging es sehr früh los in Richtung Villafranca del Bierzo. Der Tag fing eigentlich ganz gut an, es war nicht zu warm, auch nicht zu kalt und trotz wenig Schlafs taten die Knochen nicht mehr weh als all die Tage zuvor. Leider blieb es nicht dabei. Es wurde immer heißer und heißer und auch die Beine wollten nicht mehr. Die letzen 5 km waren einfach nur anstrengend und wir sehnten uns nach einem Bett und Nahrung. Unterwegs fiel uns dann noch ein Krankenwagen auf und andere Pilger erzählten uns später, dass ein Pilger von dem Seitespiegel eines ihm entgegenkommenden Autos erfasst und verletzt wurde. Da wird einem schon ein wenig mulmig wenn man merkt, dass man noch so weit links die Landstraße entlang gehen kann, aber wenn der LKW- bzw. der Autofahrer nicht aufpasst, dann kann der Weg ganz schnell vorüber sein. Gesund in Villafranca del Bierzo angekommen entschieden wir uns für die Herberge Ave Fenix, unter der Leitung von Herbergsvater Jesus Jato, der angeblich über heilende Hände verfügt. Naja, Jesus war nicht da, zwei Betten reichen auch. Ein schweizer Hospitalero namens Dani teilte uns zwei Betten im Dachgeschoss zu. Dort war es zwar sehr eng, aber gemütlich. Die spanischen Studi-Pilger, die in Astorga Fragebögen ausgefüllt haben, waren auch schon da und nach dem üblichen Ablauf (duschen, ausruhen) saßen wir alle zusammen im Innenhof der Herberge. Als sich ein Großteil der Gruppe auf den Weg in den Supermercado machte und nur Santi blieb, erzählte er uns, dass es innerhalb der Gruppe Diskussionen darüber gibt, ob sie schnell genug gehen usw. Ihn nervt es total, wie sich ein paar seiner Freunde aufspielen und er sagt, dass es für sie schon eine Art Wettberwerb ist und es nur noch darum geht, wer mehr schafft und wer früher ankommt. Er findet, dass es noch Spaß machen muss und wenn er sich die schmerzverzerrten Gesichter seiner Freunde anschaut, erinnern ihn diese nur noch an Folteropfer. Und in der Tat, ein Mädchen aus der Gruppe fällt besonders dadurch auf, dass sie kaum noch gehen kann und leicht apathisch drein schaut. In La Faba, der nächsten Station nach Villafranca, wird uns Santi mitteilen, dass sich die Gruppe getrennt hat. Wir lernten auch noch einen Belgier kennen, der in Aachen gestartet ist. Er ließ sich von uns bereitwillig interviewen. Das Besondere an diesen selten anzutreffenden “Langzeitpilgern” ist, dass sie sehr viel erzählen können und dass sie in der Lage sind, die Veränderungen, die in ihnen geistig und körperlich seit dem Beginn der Pilgeschaft vorgehen, exakt zu beschreiben. Am Abend saßen wir zusammen mit ca. 30 anderen Pilgern beim Pilgemahl. Der italienische Koch versprach eine grandiose Bolognese. Leider hatten sich die Hospitaleros beim Einkauf verschätzt, sodass es viel zu wenig Pasta für die hungrigen Pilgermägen gab. Viele beschwerten sich, denn das Pilgermahl war mit 7€ recht teuer und dafür viel zu wenig. Prompt wurde Brot und Salat nachgereicht und dann kam Dani mit einer großen Pfanne Spiegeleiern in den Raum. Es wurden dann zwar doch noch alle satt, aber zufrieden waren die wenigsten und im Innehof begannen die ersten Pilgr die “wahren” Kosten für das Pilgermahl zu errechnen. Den Wein musste man auch extra bezahlen, woran sich einig zusätzlich störten. Alles in allem war die Herberge für viele eine kleine Enttäuschung. Am nächsten Morgen ging es nach einer sehr heißen Nacht auf dem Dachboden der Herberge weiter nach La Faba (siehe Blogeintrag vom 12.08.10)

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Eine Antwort auf Villafranca del Bierzo

  1. Michael sagt:

    Lieber Dave, es macht Spaß, Deine Kommentare zu lesen, selbst wenn Ihr leidet – Deine Sprache tuts nicht. Grüße auch an Vero, und ich freue mich, nach Eurer Rückkehr, weitere farbige und nur wenig geläuterte Berichte von Eurer Pilgerreise zu hören. Adelante!

    Michael

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