Fonfria

Von La Faba aus ging es am frühen Morgen los nach Fonfria. Die ersten 5 km waren sehr anstrengend, denn es ging auf über 1300 Höhenmeter steil hinauf zum Ort O Cebreiro. Unscheinbar auf der rechten Seite des Weges stehend, entdeckten wir nach einiger Zeit des bergauf wanderns den großen Grenzstein, der uns anzeigt, dass wir Galizien erreicht haben. Wie das Cruz de Ferro, ist auch der Grenzstein für viele Pilger ein besonderer Punkt auf ihrer Reise und man nutzt die Gelegenheit um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Aus dem Nichts tauchten drei Jungs der spanischen Studi-Pilger auf und wir nutzen ebenfalls die Gelegenheit, um ein Foto von uns schießen zu lassen.
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Als wir im galizischen Ort O Cebreiro ankamen, fanden wir runde Häuser mit Strohdächern vor, die sogenannten Pallozas , die in den Bergen bis heute erhalten blieben. In der erstbesten, gut besuchten bis überfüllten Bar, machten wir eine kleine Frühstückspause. Uns fiel sofort eine deutschsprachige Pilgergruppe auf, die ihr Gepäck mit einem Auto transportieren ließ. Man unterhielt sich lautstark vor der Bar und plante die heutige Tagesetappe. Nach einiger Zeit setzte sich die Gruppe in Bewegung, vorher machten sie gemeinsam mit dem Fahrer des Begleitfahrzeuges einen Treffpunkt aus.

Immer wieder trafen wir auf dem Weg bekannte Gesichter aus der letzten Herberge, dies hängt davon ab, ob man Pausen einlegt oder weiter geht. Für uns ging es anschließend weiter bergauf und bergab durch einen Wald und über diverse Schotterpisten auf den höchsten Punkt des galizischen Jakobsweges „Alto do Poio“ (1337 hm) nach Fonfria. Dort erwartete uns unsere belgische Bekanntschaft in der zur Herberge gehörenden Bar, der uns hinein winkte und uns gleich auf zwei große Biere einlud. Er erzählte uns viele spannende Abenteuer, die er schon erlebt hat und gab uns einen weiteren Ausblick auf das, was er noch erleben will/wird. Unteranderem erzählte er uns, dass er mit 19 Jahren gemeinsam mit einem Freund als Leichtmatrose auf einem Schiff anheuerte, um nach China zu gelangen. Dort angekommen machten sie sich auf die beschwerliche Reise in den Himalaya, wo sie fast ein ganzes Jahr verbrachten. Er sagte, dass sie alleine für den Aufstieg ein bis zwei Monate benötigten, da sich ihre Körper nur sehr langsam an die Höhe gewöhnten. Nächstes Jahr möchte er wieder nach China. Er will gemeinsam mit drei Freunden ein Jahr lang auf einem Schiff den „Gelben Fluss“ bereisen, hier und da mal anhalten und mit dem Rucksack ins Landesinnere vorstoßen. Da kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile, bis er sich weiter auf den Weg in die nächste Ortschaft machte. In diesem Moment traf auch der übrige Teil der spanischen „Studi-Pilger“ ein. Müde vom Pilgern ließen wir uns vom kubanischen Hospitalero unsere Betten zeigen, um anschließend Siesta zu halten. Nach einiger Zeit wurde ich von Stimmen geweckt und es stellte sich raus, dass es die 3 jungen Frauen aus Villar de Mazarife sind, die in Leon gestartet sind. Die Wiedersehensfreude war groß, denn keiner hat damit gerechnet, dass wir uns wiedersehen. Wir erzählten uns gegenseitig, wo wir die letzten Tage verbracht haben und welche Schmerzen neu dazu gekommen sind. Als ich von meinen Knie- und Schulterschmerzen erzählte, gab N. mir einige Tipps zur besseren Behandlung, denn sie ist Ärztin und verfügt unter anderem über eine Osteopathieausbildung. Nach dem Duschen und Wäschewaschen setzten wir uns wieder in die Bar, um einiges im Tagebuch festzuhalten. Wir erinnerten uns an Leòn und an die zwei Deutschen, die wir morgens nur sehr kurz kennengelernt haben. Wir fragten uns, ob wir sie wohl wiedersehen werden, als ich sie in dem Moment durch das Fenster erblickte. Was für ein Zufall! Oder war es doch die Magie des Jakobsweges, der alle wieder zusammenführt ;-) ? Um nicht alles dem Zufall zu überlassen, verabredeten wir uns für das vom kubanischen Hospitalero und Koch zubereitete Pilgermahl. Es wurde ein sehr schöner Abend, mit dem bis dato besten Essen auf dem Jakobsweg. Die Gruppe bestand aus Franzosen, Spaniern, Italienern, Österreichern und Deutschen. Es wurde viel gelacht und sich überwiegend auf Englisch ausgetauscht. Bevor wir uns Schlafen legten, erzählten wir den Anderen noch, dass wir morgen die etwas längere Alternativroute nach Samos gehen wollen.

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