Ans Ende der Welt: mit dem Bus zurück

Ich habe Santiago de Compostela erreicht. Jetzt bin ich knapp 550 km gepilgert. Aber ich war noch nicht am Ende, ich wollte noch ca. 96 km weiter, ans Ende der Welt: Finisterre. Dieses Kap Galiciens wurde in vorchristlicher Zeit als westliches Ende der Welt betrachtet. Welche Rolle dieser Punkt in der Geschichte für Pilger eingenommen hat, ist umstritten. Man geht davon aus, dass dieser Ort schon bei den Kelten und den Römern ein bekanntes Pilgerziel war. In den letzten Jahren entwickelte sich dieser Ort zu einem beliebten Ziel für Jakobspilger.
Hier suchen sie meist einen ruhigen Abschluss ihrer anstrengenden Reise. Auch hier sollte meine Reise enden. Dort wollte ich mich mit Dave und Vero wieder treffen.
Mein Problem war die Entzündung meines Schienbeins. Aber wie es schon
heißt: No pain, no glory. Ferner wollte ich nicht so lange in der von Touristen überlaufenen Stadt Santiago bleiben.
Am nächsten Tag ging es zum ersten Mal um 9:00 Uhr los. Ein Luxus mal ausschlafen zu können. Ferner waren es nur ca. 23 km zum nächsten Zielort. Zusammen mit den zwei jungen Deutschen M. und S. machte ich mich auf den Weg nach Negreira. Lustig war dabei, dass uns ein Hund ein ganzes Stück lang begleitete. Er wollte einfach nicht von unserer Seite weichen. Erst bei Ponte Maceira ging er dann seinen eigenen Weg.
In Ponte Maceira war eine tolle Brücke und man konnte in dem Fluss schwimmen.
Auch wenn neue Pilger, die nur von Compostela nach Finisterre pilgerten, dazu kamen, war auffallend, dass die Pilger im Allgemeinen wieder weniger wurden. Interessant ist, dass es für die Strecke von Compostela nach Finisterre ein eigener Pilgerausweis existiert. Auch bekommt man beim Erreichen des Pilgerziels Finisterre eine eigene Urkunde. Aber auch wenn es wieder weniger Pilger sind, sind die Plätze in den Herbergen knapp, da es nur wenige auf dieser Strecke gibt. In Negreira schliefen wir in einer privaten Herberge, die von 2 Personen aus der Schweiz (Brasilianerin & Spanierin) geführt wurde. Sehr nette Damen :-) Sie eröffneten diese, da ihnen beim Pilgern aufgefallen war, dass es in diesem Ort kaum Betten für Pilger gab. Diesen Zustand wollten sie unbedingt ändern. Eine sehr schöne und saubere Herberge.
Sie gaben mir auch Eis für mein Schienbein.
Am nächsten morgen ging es nach Oliveira (33 km). Von einem Deutschen, den ich interviewte, bekam ich Ibufen für das Schienbein. Es half….
zum Teil. Der Weg führte uns durch sehr kleine Bauerndörfer und an Maisfelder entlang. Leider war ich durch meine Schmerzen sehr langsam und kam später in der Herberge an als S. und M.. Auffallend war, dass das Wetter zum ersten Mal schlecht war. Als ich endlich an der Herberge in Olivera ankam, waren schon alle Betten besetzt oder reserviert (was eigentlich nicht erlaubt ist). Also schlief ich auf dem Boden auf einer Matte. Das sind die Opfer für die Wissenschaft ;-) Meine letzte Etappe führte mich nach Finisterre. Für die letzten Kilometer musste ich noch eine Schmerztablette nehmen. Aber wie man sieht kam ich an. Hierbei ging es zuerst ein wenig bergauf und dann an der Küste entlang (sehr schön!!!). Das letzte Stück sogar an einem schönen Strand. Meine zwei Begleiter gingen dann ins Hotel, während ich meine letzte Nacht auf dem Camino in der öffentlichen Herberge verbringen wollte. Am Abend gingen meinen Begleiter ? dazu gehörten jetzt auch wieder Dave und Vero ? und ich an den Strand, wo ich ein Bier Namens ?Judas? überreicht bekam. Dort verbrannte ich dann auch meine Unterhose (die wirklich gut brannte). Am nächsten Tag machte ich mich auf zum Kap von Finisterre. Zum Kilometerpunkt Null. Als erstes lief die Strecke und die Dinge, die ich erlebt habe, wie ein Kurzfilm im meinen Kopf ab. Danach hatte ich ein ambivalentes Gefühl, zum einen war ich nun fertig mit Laufen, zum anderen hatte man sich an das Laufen gewöhnt und wollte weiter. Aber nun geht es langsam zurück in den Alltag!
Als Dave, Vero und ich im Bus zurück nach Compostela saßen, war es sehr komisch. Der Bus benötigte gerade mal 20 Minuten für eine Strecke, für die ich 2 Stunden brauchte. Was für ein Luxus!

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